Heute gibt es in den meisten westlichen Städten beinahe
an jeder Ecke professionelle und legale Piercing-Studios.
Im Laufe der Neuziger hat sich Piercing von einer obskuren,
teilweise illegalen Untergrundaktivität, die im wesentlichen
der Schwulen-, Fetischisten- und Modernen-Primitive-Szene
vorbehalten war zu einem gesellschaftsfähigen Phänomen
entwickelt. Es gelangte vom Untergrund auf die Straße,
von Sado-Maso-Clubs auf die Pariser Laufstege und von den
Modernen Primitives zu trendigen Teenagern und den Spice Girls.
Piercing ist die unter Naturvölkern wohl am weitesten
verbreitete Körperkunst. Bis vor kurzem noch war es für
die westliche Gesellschaft eine Sache für Motorradgangs
und andere abgefahrene Menschen. Abgesehen vom weiblichen
Ohrring wurden gepiercte Köperteile von der Menschheit
nicht unbedingt als ästhetisch angesehen.